Ein Gastbeitrag:
Die Moderne zwingt, so Hans Thiersch, den einzelnen Menschen dazu, sich einen eigenen Sinn und eine Position in der Gesellschaft zu geben1). In dieser Selbstverortung kann natürlich auch Religion nicht ausgeschlossen werden. Aus einem breiten Angebot von Religionen, Positionierungen zu Religionen, Sekten und Weltanschauungen kann gewählt werden.
Hierbei kann es durchaus zu einer gewissen Orientierungslosigkeit kommen, so dass die Frage: „Wie nennt man das eigentlich, was ich glaube?“ zum größeren Problem werden kann.
Die folgende Aufstellung soll eine gewisse Klarheit, bzw. eine Einordnung der verschiedenen Glaubensgemeinschaften-Distanzierten-Positionen versuchen, wobei natürlich jeder seine Weltanschauung so nennen kann wie er will.
Agnostiker (Anhänger des Agnostizismus2))
Er glaubt, dass es durchaus ein höheres Wesen geben kann. Er kann es nur nicht erkennen, bzw. der Mensch hat keinen Zugang dazu. Es ist also möglich, dass es Dinge gibt, die mit Sinnen und Erfahrung nicht zugänglich sind, jedoch sind diese eben nicht fassbar3).
»Ein höheres Wesen (Gott, Götter, fliegendes Spagettimonster) ist möglich, aber nicht sicher, ich habe aber keine Ahnung, wie es aussieht, und was es von mir erwartet.«
Atheist (Fan des Atheismus4))
Er glaubt nicht, dass es einen Gott gibt. Während dies früher eher von einem Glauben an die Erklärbarkeit der Welt durch die Naturwissenschaft begleitet war, wird heute meist eine Glaubens- und Kirchenkritik damit verbunden5).
»Es gibt kein höheres Wesen.«
Nihilist (geht dem Nihilismus nach6))
„Wir glauben an gar nichts, Lebowski… An gar nichts!“7) Diese Aussage trifft die Sache schon ganz gut. Allerdings bezieht sich dieses gar nicht nur auf Religion und Glaube. Es bezieht sich auch auf Erkenntnisse, Weltordnungen, Soziale Phänomene – eben auf alles. An gar nichts glauben heißt eben, an wirklich alles nicht glauben8).
»Egal was, es existiert nicht.«
Diese kurze Übersicht mag vielleicht nicht vollständig sein, bietet vermutlich aber zumindest eine grobe Orientierung.
Frey - 2/2010
1) Vgl. Thiersch, Hans (2006): Alltag und alltagsorientierte Sozialpädagogik. Überlegungen zur theoretischen und sozialpolitischen Ortsbestimmung der Alltagswende. In: Thiersch, Hans (2006): Die Erfahrung der Wirklichkeit. Perspektiven einer alltagsorientierten Sozialpädagogik. 2. Aufl. Weinheim. S. 15-60.
2) Vgl. Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Hrsg.) (2003): Duden. Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 3. Aufl. Mannheim.
3) Vgl. Lexikonredaktion des Verlags F.A. Brockhaus (Hrsg.) (2004): Der Brockhaus. Philosophie. Ideen Denker und Begriffe. Mannheim.
4) Vgl. Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (2003).
5) Vgl. Lexikonredaktion des Verlags F.A. Brockhaus (2004).
6) Vgl. Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (2003).
7) Cohen, Joel (1998): The Big Lebowski. USA/UK (Film).
8) Vgl. Lexikonredaktion des Verlags F.A. Brockhaus (2004).
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