„Hey Lukas! Was geht?“
„Hey Sara! Hab Semesterferien, geht voll ab.“
„Ja coole Sache.“
„Aber total. Und bei dir, alles klar?“
„Jo alles super. Hey, hast du die Diskussion über die Beschaffenheit physikalischer Objekte mitgekriegt?“
„Hab ich. Find ich voll sinnlos.“
„Echt jetzt, warum?“
„Das geht am Thema vorbei. Aber sowas von. Man braucht sich nicht die Frage zu stellen was ein Photon _wirklich_ ist. Es ist ein Modell, so wie alles in der Physik. Ende der Diskussion.“
„Aber es kann doch nicht sein dass wir in der Physik nur eine Modellwelt herstellen, in der wir uns bewegen, die aber nichts mit der Realität zu tun hat. Das ist unbefriedigend. Ich hätte schon gerne mehr als das.“
„Dann hast du halt Pech. Du kriegst nicht mehr. Wir haben nur Zugriff auf Objekte unserer Erfahrungswelt. Was dahinter ist, können wir nicht erkennen, nur modellieren. Daran liegt es ja auch, dass sich unsere Modelle ständig ändern. Zum Beispiel das Modell eines Atoms, das wandelte sich vom Rosinenmodell zum bohrschen Atommodell zum quantenmechanischen Atommodell. Irgendwann wird es nochmal anders sein. Das zeigt doch schon dass es dumm ist, daran zu glauben, dass eines dieser Modelle der wirklichen Beschaffenheit eines Atom entspricht.“
„Bei dieser Modellwandelung blieb aber immer die mathematische Struktur des Vorgängermodells als Grenzwert des neuen Modells erhalten. Du kannst also nicht sagen, dass sich die Modelle vollständig ändern.“
„Es ist uninteressant, ob der Grenzwert erhalten bleibt. Was wichtig ist, ist die Gesamtstruktur, und die ändert sich. Sie dient immer dazu, die momentan vorliegenden experimentellen Erkenntnisse zu beschreiben. Wenn durch neue Experimente neue Erkenntnisse gewonnen werden, dann muss sich auch die Theorie ändern. Apfel?“
„Ja, danke.“ *krcks* *kau* „Abmer ih musch schon schagn..“ *schluck* „Aber ich muss schon sagen dass das immer noch nicht überzeugt. Wie erklärst du dir denn dass in der frühen Quantenmechanik schon die Beschreibung verschränkter Teilchen enthalten war, wo doch der experimentelle Nachweis erst Jahrzehnte später kam? Wenn Physik immer nur vorliegende Experimente modelliert und damit aber keine Aussage über die Realität trifft, dann muss es dir als ein Wunder erscheinen dass sie neue Phänomene vorhersagen kann.“
„Das war halt Glück. Es hätte ja auch anders kommen können.“
„Es ist aber nicht anders gekommen. Und Verschränkung ist nicht das einzige Beispiel dafür dass eine Theorie ein Experiment vorhersagt. Es ist vereinfachend, anzunehmen, dass Physik nur Modelle baut, die die Welt beschreiben. Physikalische Aussagen erklären das reale Verhalten der Welt.“
„Das glaubst du doch selber nicht.“
„Ich glaube sogar dass du es glaubst. Was hätte denn... sagen wir Julius Cäsar, was hätte der dazu gesagt wenn man ihn gefragt hätte warum ein Stein wieder nach unten fällt nachdem er nach oben geworfen wurde? Keine Ahnung, hätte er gesagt. Weil es damals noch keine Physik gab. Was würdest du sagen? Du würdest sagen, dass die Masse der Erde der Grund dafür ist dass massebehaftete Gegenstände von ihr angezogen werden. Und das ist nicht nur eine Modellvorstellung für dich, es ist Realität. Daran glaubst du.“
„Aber interessant wird es doch erst bei anderen Theorien. Und ich glaube nicht daran, dass Licht gleichzeitig Welle und Teilchen ist. Ich glaube, dass beides eine Modellvorstellung ist.“
„Das kannst du natürlich tun, aber dann solltest du auch in der Lage sein, zu sagen, ab welchem Punkt du nicht mehr an die Aussagekraft der Physik glaubst. Ist es für dich real, dass elektrischer Strom eine Glühbirne betreibt? Wahrscheinlich schon. Ist es für dich real, dass Elektronen durch den Glühdraht fließen? Wahrscheinlich nicht. Birne?“
„Ja, danke.“ *krcks* *kau*
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Hi Hannah,
AntwortenLöschenschöner blog, gefällt mir, was du da schreibst - gute Wissenschaftsphilosophie!
Wahrscheinlichkeitswellen machen es dem wiss. Realismus nicht gerade einfach, aber ist nicht vielleicht Newtons Apfel sogar ein Argument für den Realismus. Der Apfel ist ein Ding, das sich mathematisch beschreiben lässt, deshalb besteht er noch nicht aus Mathematik - richtig. Das Problem mit der Quantenphysik ist doch erstmal nur, dass sie unanschaulich ist. Warum sollte es nicht aber trotzdem so sein, dass es da etwas genau so reales gibt, das sich ebenfalls math. beschreiben lässt? Dass es nicht so beschaffen ist, wie unsere Alltagsgegenstände, heißt doch noch nicht, dass es nicht ebenso real sein kann. Wäre es nicht anthropozentrisch "Apfelheit" zum Kriterium für Realität zu machen?
Was meint Sara dazu? PMI-Lukas gegen NMA-Sara... Sehr gut, wie Lukas erst das Modeltheoretische Argument vorbringt, gegen das sich Sara auf den epistemischen SR beruft und beide dann zu den stärkeren Argumenten wechseln, Lukas zur PMI und Sara zum NMA.
Hoffentlich belastet es deren Freundschaft nicht, dass sie den Konflikt sicher nicht so schnell lösen werden. Aber solange sie noch Äpfel und Birnen zusammen essen, ist wohl alles in Ordnung.
Mal sehen, wie's weitergeht...